Pressebericht
Wie grün ist der Strom?
RÖTHENBACH (ass) — Die
Straßenlaternen in Röthenbach werden ab Januar ausschließlich
mit Strom aus Wasserkraft beleuchtet: Für die klimafreundliche
Lösung – die auch Lauf, Hersbruck und Altdorf bereits wahrnehmen
– hat sich der Stadtrat in seiner letzten Sitzung entschieden,
trotz Kritik aus den Reihen der Grünen.
Sie sehen in dem Strompaket, das von
der N-Ergie angeboten wird, nur einen „Marketing-Gag“.
Drei Jahre bindet sich die Kommune
über ihre Stadtwerke an den großen Energieversorger aus Nürnberg;
der Strompreis für alle städtischen Liegenschaften steigt
mit dem neuen Vertrag um rund 15 Prozent.
Die Kilowattstunde kostet in Zukunft
7,6 Cent, hinzu kommen noch Netzentgelte und Konzessionsabgaben –
sie sind je nach „Abnahmestelle“ unterschiedlich. Von der
N-Ergie werden auch alle städtischen Schulen, Kindergärten,
der Bauhof und die Feuerwehrhäuser beliefert. Insgesamt mit fast
zwei Millionen Kilowattstunden im Jahr.
Trotz des Preisanstiegs ist man im
Rat der Pegnitzstadt hoch zufrieden: Der Abschluss garantiert nämlich
Planungssicherheit. Außerdem dürften die 7,6 Cent deutlich
„unter der Marktpreisentwicklung“ liegen, die Stadtwerke-Chef
Waldemar Munkert für die nächsten Jahre erwartet. „Wir
sind auf dem richtigen Weg“, formuliert deshalb auch CSU-Fraktionssprecher
Wolfgang Gottschalk.
„KommunePlus Öko“
heißt das Paket, das die Stadt bei der N-Ergie bestellt. Dieser
Rahmenvertrag wurde im August mit dem Bayerischen Gemeindetag ausgehandelt;
er verspricht Ökostrom, der „CO2-frei aus Wasserkraft gewonnen
wird“.
Dennoch stellten sich Thiemo
Graf und Inge Wende,
die beiden Grünen-Stadträte, bei der Abstimmung quer.
Graf bemängelt, dass durch den
vermeintlichen Ökostrom „kein einziges Gramm CO2 eingespart
wird“. Aus Grünen-Sicht sei der Vertrag ökologisch unerheblich,
da schon bisher ein Großteil des Stroms aus Wasserkraftwerken
komme. „Und es ist nicht gesichert, dass hier in regenerative
Energien reinvestiert wird“, so Graf. Was die Stadt nun bestelle,
sei lediglich „umetikettierter“ Strom.
Weil aber andere Pakete – etwa
inklusive Solarstrom – wesentlich teurer sind, entschied sich
der Stadtrat schließlich gegen die Stimmen der beiden Grünen
für den Vertragsabschluss. Zumindest sei der Wasserkraft-Strom
„ein erster Schritt“ in die richtige Richtung, brachte SPD-Sprecherin
Ullrike Knoch die Position der Mehrheit
auf den Punkt.
Pressebericht der Pegnitz-Zeitung
vom 6. November 2008