Röthenbach a.d. Pegnitz

 

 

 

 

 

 

Pressebericht

Auf dem Spielplatz statt im Sitzungssaal

RÖTHENBACH – Die Mädchen und Jungen des städtischen Kindergartens am Steinberg in Röthenbach haben seit letzter Woche drei neue, beste „Kumpels“: Sie heißen Ullrike Knoch (SPD), Wolfgang Hellmann (CSU) und Thiemo Graf (GRÜNE), sind Stadträte und haben im Rahmen der Aktion „Rollentausch“ jeweils einen Tag lang den Alltag im Kindergarten hautnah miterlebt.

Mittendrin statt nur dabei: Dieses Motto der „Aktion Rollentausch“ nahm sich Stadtrat Thiemo Graf zu Herzen. Beim „Memory“-Spiel mit den Kindern der „Rasselbande“ zog er allerdings den Kürzeren. Foto: Buchner-Freiberger

Thiemo Graf hat keine Chance: Der Grünen-Stadtrat wird von der fünfjährigen Emily und ihren Freunden aus der „Rasselbande“ beim „Memory“ gnadenlos abgezockt. Eine Stunde zuvor hat er schon im „Morgenkreis“ mitgesungen, später geht es zusammen mit den Kindern in den Garten: Rutschen, Fußball spielen, Fangen – Graf ist mittendrin: „Ich hätte nie gedacht, dass ich so viele Dinge gleichzeitig kann“, meint er am Ende eines ereignisreichen Vormittags schmunzelnd.

Mit seinen Kollegen Ullrike Knoch (SPD) und Wolfgang Hellmann (CSU), die in der „Knilche“-Gruppe beziehungsweise bei den Zweijährigen, den „Minis“, geschnuppert haben, ist er sich einig. „Es ist für uns als Entscheidungsträger ganz wichtig, solche Einblicke in die Arbeit vor Ort zu bekommen.“ Genau aus diesem Grund veranstaltet die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege gemeinsam mit dem Bayerischen Sozialministerium einmal im Jahr die „Aktion Rollentausch“.

Politiker und Wirtschaftsvertreter werden eingeladen, einen Tag in einer sozialen Einrichtung zu verbringen: im Altenheim, in der Behindertenwerkstatt oder eben im Kindergarten. Der städtische Kindergarten am Steinberg beteiligte sich erstmals an dem Projekt. 76 Mädchen und Buben werden hier in drei Regelgruppen und einer Zweijährigengruppe betreut, hinzu kommen 22 Kinder im Hort. Drei Kinder sind auf besondere Förderung angewiesen. Auch dank stundenweiser Unterstützung durch Therapeuten der Lebenshilfe können sie reguläre Gruppen besuchen.

Davon, dass alle Kinder bestens aufgehoben sind, konnten sich die drei „Hospitanten“ überzeugen. „Ich war erstaunt, wie toll die Erzieherinnen mit Konflikten in der Gruppe umgehen. Die Arbeit im Kindergarten ist durch nichts zu ersetzen“, zieht Ullrike Knoch Bilanz. Von einem „Abschieben“ der Kinder könne überhaupt keine Rede sein. Wie (zeit-)intensiv die Betreuung ist, erlebte Wolfgang Hellmann bei den „Minis“: Wickeln, Spielen, Trösten, Anziehen und – nicht zuletzt – die Eltern beruhigen: All das ist Alltag für die Erzieherinnen.

Diese Gruppe mit elf Zweijährigen gibt es „am Steinberg“ nun das zweite Jahr, und die Nachfrage ist enorm, wie Kindergartenleiterin Doris Bürner sagt: „Wir mussten für das kommende Jahr leider sechs bis sieben Eltern absagen.“ Denn die Raumnot ist aktuell eines der größten Probleme im Steinberg-Kindergarten. Zwar wird sich die Situation durch den Umzug der integrativen Lebenshilfe-Gruppe in die Seespitzschule im nächsten Jahr etwas entspannen, „aber der frei werdende Gruppenraum ist schon wieder fest verplant“, so die Erzieherinnen. Sie wünschen sich von der Politik und der Gesellschaft vor allem mehr Wertschätzung für ihren Beruf und Verständnis dafür, dass hochwertiges Spielmaterial eben Geld kostet.

Auch „kleinere“ Wünsche wie die jährliche Auswechslung des Spielsands gaben sie den Stadträten mit auf den Weg. Eine gute Nachricht brachte Wolfgang Hellmann mit. Er erklärte, dass ganz aktuell der Sport-, Kultur- und Umweltausschuss dem Stadtrat empfohlen hat, wieder Vorpraktikantinnen in den städtischen Kindergärten einzustellen, also angehende Erzieherinnen in den ersten beiden Ausbildungsjahren.

Stadträten und Kindergärtnerinnen hat die Aktion „Rollentausch“ großen Spaß gemacht, und so ziehen sie ein positives Fazit: „Die Stadt Röthenbach investiert viel in die Kindergärten, aber sie bekommt auch viel zurück.“

Pressebericht der Pegnitz-Zeitung vom 04. Mai 2010
Bericht & Bild: Buchner-Freiberger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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