Pressebericht
Zehn Jahre Zukunft
Die Zeitschrift Artenvielfalt
hat in ihrer Ausgabe 1/2010 einen Artikel über das Erneuerbare
Energien-Gesetz (EEG) veröffentlicht. Der Autor, Thiemo
Graf, ist Vorsitzender der grünen Stadtratsfraktion
in Röthenbach.
NÜRNBERGER LAND – Das Erneuerbare
Energien-Gesetz (EEG), das die rot-grüne Bundesregierung vor zehn
Jahren verabschiedet hat, ist weltweites Vorbild beim Aufbau einer umweltfreundlichen
Energieversorgung. Auch im Nürnberger Land hat das das international
anerkannte Gesetz einen Boom alternativer Energien ausgelöst.
Der 1. April 2000 gilt in der Branche als Meilenstein:
Mit der Einführung kostendeckender Vergütungen für Strom
aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse hat die damalige rot-grüne
Bundesregierung die Basis für den rasanten Ausbau Erneuerbarer
Energien gelegt. Rund 280.000 Menschen sind nach Berechnungen des Bundesumweltministeriums
heute in diesem Sektor beschäftigt, 15 Prozent des Stroms werden
inzwischen klimafreundlich erzeugt.
Dieser Erfolg hat selbst Hans-Josef
Fell überrascht. Der grüne Bundestagsabgeordnete
gilt als einer der Väter des Gesetzes. „Das EEG hat alle
unsere Erwartungen übertroffen und Deutschland zum Spitzenreiter
grüner Technologien gemacht.“ Zahlreiche Länder weltweit
haben das Gesetz inzwischen kopiert oder in ähnlicher Form eingeführt.
Bis dahin war es aber ein weiter Weg. Sogar Teile
der damaligen Bundesregierung - allen voran Wirtschaftsminister Werner
Müller, der schon vor seinem Amtsantritt bei einem großen
Energiekonzern sein Geld verdiente - wetterte gegen die geplante Demokratisierung
der Energieerzeugung. Kein Wunder, bedeutet doch jede neue Solaranlage,
jedes Windrad und jede Biogasanlage weniger Geld in den Kassen der großen
Energiekonzerne. Die Gewinner sind die Betreiber der umweltfreundlichen
Anlagen: Bauern, Privatleute oder andere Kleininvestoren. Von den bis
Ende 2009 ans Netz gegangenen 45,3 Gigawatt Regenerativstrom kommt nur
ein Bruchteil von RWE, eon, Vattenfall und EnBW – denn die setzen
weiter auf Strom aus Kohle und Uran.
Letztlich ist es dem Einsatz von vier Abgeordneten
– zwei Grünen und zwei der SPD – zu verdanken, dass
das EEG überhaupt Realität geworden ist. „Ich habe mich
mit meinen Mitarbeitern einfach hingesetzt und einen Gesetzentwurf geschrieben“,
erinnert sich Hans-Josef Fell heute.
Zehn Jahre später hat sich daran nicht viel geändert.
Zwar votieren Bundeskanzlerin Angela Merkel und Umweltminister Norbert
Röttgen – anders als noch vor wenigen Jahren – im Deutschen
Bundestag nicht mehr gegen das EEG. Doch der Neubau von klimaschädlichen
Kohlekraftwerken und die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken
gefährden den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Spitzenposition
Deutschlands. „Laufzeitverlängerungen werden sich nicht als
Brücke, sondern als eine Sackgasse für Erneuerbare erweisen“,
sagt Rainer Baake, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe.
Es wird also weiter engagierte Abgeordnete und
Bürger brauchen, die sich hier gegen die Regierung durchsetzen.
Für Arbeitsplätze und Klima.